Reisegedanken

In letzter Zeit bin ich viel mit dem Zug unterwegs. Dieses Gedicht entstand auf dem Weg von Hamburg nach Darmstadt. Links von mir zieht halb Deutschland am Fenster vorbei, rechts von mir ist ein leerer Platz. Oder doch nicht?

die Landschaft fliegt vorbei

vielleicht bin ich auf dem Weg zu Dir

vielleicht denkst Du auch an mich

vielleicht wartest Du auf mich

vielleicht

die Landschaft fliegt vorbei

vielleicht bin ich auf dem Weg von Dir

vielleicht verabschiedest Du mich

vielleicht vermisst Du mich

vielleicht

die Landschaft fliegt vorbei

vielleicht bin ich auf dem Weg mit Dir

vielleicht leg ich meinen Arm um Dich

vielleicht küsse ich Dich

vielleicht

die Landschaft fliegt vorbei

Veröffentlicht in: on 19. Juli 2008 at 1:21 Kommentare (0)

Freund

David trauerte um seinen Freund Jonatan mit den Worten “Deine Liebe ist mir wundersamer gewesen, als Frauenliebe ist.” (2. Sam. 1,26b) Ehrlich gesagt kann ich ihm da nur zustimmen. Ich habe keine Ahnung, wie Freundschaft entsteht und was ich zu meinen Freundschaften beitrage, aber ich weiß, dass ich unglaublich viel aus ihnen bekomme.

Du bist da für mich

Ohne das ich frage

Du liebst mich

Ohne das ich wünsche

Du hilfst mir

Ohne das ich bitte

Du tröstest mich

Ohne das ich weine

Du empfängst mich

Ohne das ich klopfe

Du verstehst mich

Ohne das ich begreife

Du bist Freund

Ohne das ich etwas tue

Veröffentlicht in: on 16. Juli 2008 at 20:58 Kommentare (0)

Herzklopfen

Es klopft gegen Mauern aus Enttäuschungen.

Es klopft gegen mit Ängsten verriegelte Türen.

Es klopft gegen die Schranken des Verstandes.

Es klopft gegen Grenzen der Unterdrückung.

Es klopft leise im Lärm des Alltags.

Es klopft laut in der Stille der Einsamkeit.

Es klopft langsam in der Resignation.

Es klopft schnell in der Hoffnung.

Wer wird öffnen?

Veröffentlicht in: on 21. Juni 2008 at 19:47 Kommentare (0)

Mauerblümchen

Mein erstes Gedicht. Und ich muss sagen, dass die Blume heute noch genau so schön blüht wie damals.

Auf einer Mauer blüht eine Blume,

zarter als ein Gänseblümchen.

Die Blüte schöner als die der Rosen,

in Farben schillernder als Orchideen,

die Blätter schlanker als die der Lilien.

Sie blüht im Frühling mit den Narzissen,

im Sommer mit Kornblumen und Mohn,

im Herbst, wenn die Blätter bunt sind

und im Winter mit den Eisblumen.

Am Tage strahlt sie in der Sonne,

nachts leuchtet sie wie die Sterne.

Wer an ihr vorübergeht und sie betrachtet,

dem blüht das Herz.

Ich will sie in meinen Garten setzen,

doch sind ihre Wurzeln tief im Stein.

Riss ich sie aus und stellte sie in mein Fenster,

wie lange noch würde ihre Blüte sein?

 

Veröffentlicht in: on 16. Mai 2008 at 17:55 Kommentare (0)

Komm, Herr Jesus!

In der Pfingstpredigt ging es um die Frage, ob wir nicht zu wenig mit dem Heiligen Geist “Komm, Herr Jesus!” beten. Ich frage mich, warum nicht?

Freue ich mich nicht auf Dein Kommen?

Sehne ich mich nicht nach Deiner Nähe?

Wünsche ich mir nicht Deine Umarmung?

Suche ich nicht Deine Liebe?

Will ich nicht mein ganzes Leben bei Dir sein?

Suche ich nicht nach Deinem Weg?

Wünsche ich mir nicht, Dich zu sehen?

Sehne ich mich nicht nach Deinen Worten?

Oder erinnere ich mich zu selten daran?

Veröffentlicht in: on 11. Mai 2008 at 15:37 Kommentare (0)

Wer bin ich?

Manchmal, wenn ich darüber nachdenke, woher ich komme, wie ich war (und bin) und wie weit mich Gott gebracht hat, wie sehr er mich verändert und womit er mich beschenkt, bin ich überwältigt. So, als ich am Ufer Stand, Schiffe beobachtete, die riesengroß den Hafen verlassen, um dann am Horizont doch nicht mehr als ein kleines Licht im tiefen Schwarz der Ostsee zu werden. Daher die erste Zeile. Plötzlich bin auch ich ganz klein. Allein verloren, aber von Gott geliebt, getragen und beschenkt.

Ein einsames Boot, verloren im Meer

Du gibst mir Land

Ein kaputter Krüppel, unfähig zu gehen

Du lässt mich tanzen

Ein armes Waisenkind, niemals geliebt

Du bist mir Vater und Mutter

Ein Versager, voll von Fehlern

Du schenkst den Sieg

Ein kranker Sünder, beladen mit Schuld

Du vergibst mir

Ein schwacher Mensch, bedrückt von Sorgen

Du lässt mich aufatmen

Ein kleines Etwas, vollkommen unbeachtet

Du stellst mich in die Mitte

Veröffentlicht in: on 20. April 2008 at 22:49 Kommentare (0)

Herr

Für gewöhnlich reden wir Gott ja mit “Vater” an. Die Frage ist, wie sind wir dabei vom Bild unseres leiblichen Vaters geprägt? Und ist Gott nicht eigentlich viel mehr, viel größer?

Du bist wie der Wind, ich kann Dich nicht greifen.

Du bist wie das Meer, ich kann Dich nicht fassen.

Du bist wie die Berge, ich kann Dich nicht überschauen.

Du bist wie die Sonne, die meine Tage erhellt.

Du bist wie der Mond, der mir in dunkler Nacht leuchtet.

Du bist wie eine Höhle, die mir Schutz bietet.

Du bist wie ein Vater, Du gibst mir, was ich brauche.

Du bist wie eine Mutter, Du schenkst mir Liebe.

Du bist wie ein Freund, Du baust mich auf.

Du bist Herr.

Veröffentlicht in: on 17. April 2008 at 20:42 Kommentare (0)

Radio

Und was macht man, wenn das Wetter schlecht ist? Man hört Radio, dann fühlt man sich auch gleich viel besser, oder?!?

You tell me that you are my friend.

You say you will be until the end.

You tell me that you care.

You say you will be there.

But I turn you off and you are gone.

I turn a switch and I’m alone.

You tell me that you love me.

You say everlasting it will be.

You tell me that you need me.

You say I should be with thee.

But I turn you off and you are gone.

I turn a switch and I’m alone.

You tell me you will take me everywhere.

You say salvation will be there.

You tell me you will stand by me.

You say where I am you will be.

But I turn you off and you are gone.

I turn a switch and I’m alone.

Could you take me to a place where I don’t need to fear the silence?

Could I talk to you like to my friends?

Could you understand my part?

Could you fill the emptiness in my heart?

I turn you off and you are gone.

I turn a switch and I’m alone.

Veröffentlicht in: on 13. April 2008 at 18:44 Kommentare (0)

Jesaja

Ein Gedicht zu Jesaja 53, 3-5.

DU warst der Allerverachteste

ich habe Angst, wegen Dir mein Gesicht zu verlieren

DU trugst unsere Schuld und Krankheit

ich breche unter meiner eigenen Last

DU ertrugst Spott und Hohn

ich bin lieber bei den Spöttern

DU gingst für mich in den Tod

ich schrecke vor dem kleinsten Schritt zurück

DU bittest für Deine Feinde

ich vergesse sogar meinen Bruder

DU liebst die ganze Welt

ich kann nicht mal mich selber lieben

DU gabst Dich selbst hin

ich halte fest, was nicht einmal meins ist

Veröffentlicht in: on at 17:59 Kommentare (0)

Schnee und Blüte

Der April ist, was das Wetter angeht, ja bekanntlich etwas eigen. Und so kommt es dann vor, dass man merkwürdige Paare beobachtet: Gerade noch war es angenehm warm und sonnig, so dass die Blüten an den Bäumen ihre Knospen verlassen haben. Und am nächsten Tag sieht man den Schnee auf die Blüten fallen - er bleibt dort allerdings nicht lange, denn schon bald haben wir wieder strahlenden Sonnenschein. Vielleicht erzählt uns das Wetter hier eine tragische Liebesgeschichte?

Normalerweise begegnen sie einander nicht

doch heute seh ich sie zusammen

Die eine wie der Frühling

warm und sonnig

bunt und schön

Der andere wie Winter

kalt und nass

weiß und schwer

Nie würde sie ihn beachten

vielleicht einen Rest sehen

ein Häuflein in der Ecke

Selten sieht er sie

aus der Ecke heraus

während er schmilzt

Doch heute seh ich sie zusammen.

Er tanzt um sie

sieht ihre Schönheit

riecht ihren Duft

Er nähert sich ihr

berührt sie

legt seine Flocken auf sie

Vielleicht, wenn sie mich nahe sieht

Vielleicht, wenn sie meine Flocken betrachtet

Vielleicht, wenn sie meine Schönheit erkennt

dann kann ich bei ihr bleiben

denkt der Schnee

und schmilzt

Normalerweise begegnen sie einander nicht

doch heute sah ich sie zusammen

Veröffentlicht in: on at 17:46 Kommentare (2)