Schnee und Blüte

Der April ist, was das Wetter angeht, ja bekanntlich etwas eigen. Und so kommt es dann vor, dass man merkwürdige Paare beobachtet: Gerade noch war es angenehm warm und sonnig, so dass die Blüten an den Bäumen ihre Knospen verlassen haben. Und am nächsten Tag sieht man den Schnee auf die Blüten fallen – er bleibt dort allerdings nicht lange, denn schon bald haben wir wieder strahlenden Sonnenschein. Vielleicht erzählt uns das Wetter hier eine tragische Liebesgeschichte?

Normalerweise begegnen sie einander nicht

doch heute seh ich sie zusammen

Die eine wie der Frühling

warm und sonnig

bunt und schön

Der andere wie Winter

kalt und nass

weiß und schwer

Nie würde sie ihn beachten

vielleicht einen Rest sehen

ein Häuflein in der Ecke

Selten sieht er sie

aus der Ecke heraus

während er schmilzt

Doch heute seh ich sie zusammen.

Er tanzt um sie

sieht ihre Schönheit

riecht ihren Duft

Er nähert sich ihr

berührt sie

legt seine Flocken auf sie

Vielleicht, wenn sie mich nahe sieht

Vielleicht, wenn sie meine Flocken betrachtet

Vielleicht, wenn sie meine Schönheit erkennt

dann kann ich bei ihr bleiben

denkt der Schnee

und schmilzt

Normalerweise begegnen sie einander nicht

doch heute sah ich sie zusammen

Veröffentlicht in:  on 13. April 2008 at 17:46 Kommentare (2)

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2 Kommentare Leave a comment.

  1. mh…. gefällt mir. =) schön greifbar ud irgendwie hat es was von „wahr“. ich mag solche konkreten und doch symbolischen/chiffrierten/gleichnishaften Texte.

  2. Freut mich, dass es Dir gefällt. Aber muss ich mir Sorgen machen, dass der 1. Kommentar von einer Psychologin kommt? ;)


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